"Empor schlug die Welle"

Karl Henckell widmet dem Reichsparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der vom 13.bis 20. September 1903 in Dresden tagte, in der Sächsischen Arbeiter-Zeitung das Gedicht Empor schlug die Welle.

Empor schlug die Welle

Empor schlug die Welle
Die Wogen der Wahrheit
Erfassen die Menschen,
Erobern das Reich.

Sie sind aus den Tiefen,
Des Lebens gestiegen
Sie brausen zusammen,
Gewaltig gestait.

Es wanken die Sessel
Der sichern Gesellschaft,
Die Schläfer erwachen,
Die Müden stehen auf.

Nun gilt es zu bauen
Das große Gebäude, Nun gilt es zu bilden
Das herrliche Werk.

So schlagt mit dem Hammer,
So baut mit dem Meißel,
Mit Kühnheit besonnen
Erichtet den Bau!

Daß weit allem Volke
Die Wohnstatt sich Wölbe
Auf freierem Grunde
Gerechter gefügt...

Seid eins in der Liebe
Zu schlichten den Hader
Durch Zwietracht untrennbar
Seid einig und schafft!

Gesetze zu schmieden,
Sei Weisheit beschieden,
Doch Schönhei durschimmre
Die Säulen der Kraft!

Nach: Arbeiter-Zeitung, 15. Jahrg., 15. September 1903, Nr. 253, S. 5. Online
Gesammelte Werke. Band 2: Buch des Kampfes, München 1921, S. 273-275.

Informationen zum Parteitag unter Dresdner Parteitag 1903 auf der Website Das Rote Dresden.