Ernst Toller über Karl Henckell

Ernst Toller erinnert sich in seiner Biographie Eine Jugend in Deutschland:

Ich vergnüge mich im literaturgeschichtlichen Seminar des Professor Kutscher. In Hauptmannsuniform, das Eiseme Kreuz auf der Brust, sich leicht auf den Krückstock stützend, steht er auf dem Katheder, schmuck und ein Freund der Modernen. Einmal in der Woche lädt Kutscher die Studenten in ein Gasthaus. Thomas Mann, Karl Henckell, Max Halbe lesen aus ihren Werken, Frank Wedekind singt im harten Stakkato seine herrlichen diabolischen Balladen. Nachher gehen wir stundenlang durch die nächtlichen Straßen, wir schleudern uns die Modeworte der Literaturkritik an den Kopf, wir verteidigen und verdammen Schriftsteller und Werke. Jeder hat die Schublade voll mit Manuskripten, jeder träumt vom Ruhm, jeder hält sich für begnadet und auserwählt.

Ernst Zoller, Eine Jugend in Deutschland, Amsterdam 1930, S. 80. Online (2. Auflage)

Typoskript mit handschriftlichen Korrekturen, überwiegend vom Autor. Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek

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