Abendgang durchs Kornfeld

Abendgang durchs Kornfeld

Durchs gelbe Kornfeld sind wir heut gegangen
Hinaus am späten Sonntagnachmittag,
Die Lerchen aus durchsichtigen Lüften sangen
Vom Frieden, der auf schweigenden Fluren lag.

Des Feldes blaue Blumenaugen neigten
Sich vor dem kühlen Hauch des Abends sacht,
Der Gerste grüne Zitterrispen geigten
ein Lied von dunkel zeugender Scholle Macht.

Disteln und Wicken kränzten amethysten,
Grausilbern, lilarot des Ackers Saum –
Die Hände fassten sich, die Herzen küsten
Sich in lichttrinkendem Erlösungstraum.

Jemseits der braunen Hügel ferndaher
Glitt fächerförmig Goldglanz übers Meer.

Schwingungen. Neue Gedichte, Berlin 1906, S. 30