An Karl Henckell

An Karl Henckell

Was träumt‘ ich doch von dir, du Feuergeist?
Was war es doch? Es war so fürchterlich.
Was war es doch? Ah, nun besinn‘ ich mich.
Was träumt‘ ich doch von dir, du Feuergeist!

Wir beide stehn im Kampf uns gegenüber
Auf einer Barrikade höchstem Punkt.
Der Degen blinkt, der Degen prahlt und prunkt.
Wir beide stehn im Kampf uns gegenüber.

Und mit der Linken drohn wir uns an:
Nun komm heran, du sollst nicht lebend fort!
Stoß zu, fall aus, pack an auf Tod und Mord!
Und mit der Linken drohn wir uns an.

Ich sah dein Lockenhaupt im Sonnenleuchten.
Du rufst: Der Freiheit nur sterb‘ ich zu Ruhme!
Ich rief: Mir schmückt den Helm die Königsblume.
Ich sah dein Lockenhaupt im Sonnenleuchten.

Wir prallten vor und trafen uns ins Herz.
Als unser Blut nun rann in eins zusammen,
Verlohten Hoch zwei Dichterflammen.
Wir prallten vor und trafen uns ins Herz.

Doch eh das letzte Leben uns zerfloß,
Eh wir für immer von einander schieden,
Verzweigten unsre Hände sich zum Frieden.
Eh moch das letzte Leben uns zerfloß.

Der Haidegänger und andere Gedichte, Leipzig 1890, S. 24-26.

Ebenso enthalten in Kämpfe und Ziele, Schuster & Loeffler, Berlin 1897 (gesammelten Gedichte, zweiter Band, sämtliche Werke, achter Band).