An Tomarkin in Zürich

1894

An Tomarkin in Zürich

Alter Tomarkin, Gefährte
Schwermutvoller Schicksalsstunden,
Nun der Seele Flut sich klärte,
Nun ich frischen Mut gefunden…

Nach der Wirrnis jener Tage,
Drin du hülfreich mich begleitet,
Drin verstummt schien selbst die Klage,
Die im Lied sich Lust bereitet…

Nimm dies kleine Häuflein Lieder,
Das emporhebt seine Flügel,
Tau der Nacht noch am Gefieder,
Schwebt es über Morgenhügel.

Nein, ich will mich nicht ergeben,
Nein, ich kann nicht unterliegen,
Meine Losung lautet Leben,
Meine Losung lautet Siegen!

Ruder schon der Hand entsunken,
Wollt’ ich hoffnungslos verzichten,
Lethe hätt’ ich schier getrunken,
Nicht mehr atmen, nicht mehr dichten…

Schwellen dunkelblaue Trauben,
Reifend in Septembersonnen,
An mich selber darf ich glauben,
Und das Spiel, es wird gewonnen.

Karl Henckell

1898

Widmung an Tomarkin

Alter Tomarkin, Gefährte
Schwermuthvoller Schicksalsstunden,
Nun der Seele Flut sich klärte,
Nun ich frischen Muth gefunden…

Nach der Wirrniß jener Tage,
Drin du hülfreich mich begleitet,
Drin verstummt schien selbst die Klage,
Die im Lied sich Lust bereitet…

Nimm dies kleine Häuflein Lieder,
Das emporhebt seine Flügel,
Tau der Nacht noch am Gefieder,
Schwebt es über Morgenhügel.

Nein, ich will mich nicht ergeben,
Nein, ich kann nicht unterliegen,
Meine Losung lautet Leben,
Meine Losung lautet Siegen!

Ruder schon der Hand entsunken,
Wollt’ ich hoffnungslos verzichten,
Lethe hätt’ ich schier getrunken,
Nicht mehr athmen, nicht mehr dichten…

Schwellen dunkelblaue Trauben,
Reifend in Septembersonnen,
An mich selber darf ich glauben,
Und das Spiel, es wird gewonnen.

1924

An Tomarkin

Alter Tomarkin, Gefährte
Schwermutvoller Schicksalsstunden,
Nun der Seele Flut sich klärte,
Nun ich frischen Mut gefunden…

Nach der Wirrnis jener Tage,
Drin du hilfreich mich begleitet,
Drin verstummt schien selbst die Klage,
Die im Lied sich Lust bereitet…

Nimm dies kleine Häuflein Lieder,
Das emporhebt seine Flügel,
Tau der Nacht noch am Gefieder,
Schwebt es über Morgenhügel.

Nein, ich will mich nicht ergeben,
Nein, ich kann nicht unterliegen,
Meine Losung lautet Leben,
Meine Losung lautet Siegen!

Ruder schon der Hand entsunken,
Wollt’ ich hoffnungslos verzichten,
Lethe hätt‘ ich schier getrunken,
Nicht mehr atmen, nicht mehr dichten…

Schwellen dunkelblaue Trauben,
Reifend in Septembersonnen,
An mich selber darf ich glauben,
Und das Spiel, es wird gewonnen.

Zwischenspiel, Zürich 1894, S. V-VI. Online
Gedichte, Zürich und Leipzig 1898, S. 373-74. Online
Gesammelte Werke. Erster Band: Buch des Lebens, München 1921, S. 63-64.