Beethoven

Beethoven

(Beim Besuch seines Geburtshauses in Bonn.)

Durch diese Kammer eng und klein
mit dachesschräger Wand
trat der erbab’ne Genius ein
In’s Erdenland.

Kam nicht in Gold und Purpurpracht,
Die Staub und Moder sind,
Doch nie war eines Herrschers Macht
Gross wie dies Kind.

Auf unsichbarem Geisterfeld
Wo Höll’ und Himmei ringt,
Der tongewalt’ge Siegesheld
Sein Scepler schwingt.

Heerschaaren führt er durch die Luft,
Gewitternachtumfräut,
Hinwogend über Wieg’ und Gruft
Sein Laut gebeut.

Der Sturm der Leidenschaftlichkeit
Wird Hauch durch seine Kraft,
Vom tiefsten Lebensschmerz geweiht
Er höchstes schafft…

Ein armer Mann, zum Spott erzeugt,
Spross der geringsten Saat,
Wer nicht dem Genius sich beugt,
Wie er auch naht.

Was will der welke Lorbeer hier
Zum dürftigen Geräth?
Ehrfürchtig senkt das Haupt sich mir:
Dank, Majestät!

Aus meinen Gedichten, 1902, S. 65.