Café de la Bourse

1894

Café de la Bourse

Das Café braust von Stimmen,
Es summt und saust und schwirrt,
Cigarren rötlich glimmen,
Das Talmisilber klirrt.

Weißlichter durch den Schleier
Der Tabakwolken sprühn –
Fortunas heiße Freier
Vor Höhenwollust glühn.

Plötzlich die Atmosphäre
Zerschneidet scharf und fahl
Langsam die gelbe Mähre
Des Börsenritters Baal.

Vom Bluthund Not begleitet,
Gekrönt mit gold’ner Zahl,
Der Herr des Scheckens reitet
Hohnlachend durch den Saal.

Des Souveräns Gewalten
Dient stummen Schweigens Zoll,
Der Knechte Hände falten
Sich betend ehrfurchtsvoll.

1921

Börsencafé

Das Café braust von Stimmen,
Es summt und saust und schwirrt,
Zigarren rötlich glimmen,
Geschirr und Silber klirrt.

Weißlichter durch den Schleier
Der Tabakwolken sprühn –
Fortunas heiße Freier
Vor wilder Wollust glühn.

Plötzlich die Atmosphäre
Zerschneidet scharf und fahl
Langsam die gelbe Mähre
Des Börsenfürsten Baal.

Vom Bluthund Not begleitet,
Umkrallt vom Vampyr Qual,
Gott Mammon golden reitet
Gigantisch durch den Saal.

Des starren Blicks Gewalten
Sie heischen stummen Zoll,
Der Knechte Hände falten
Sich betend andachtssvoll.

Zwischenspiel, Zürich 1894, S. 139-140. Online
Gesammelte Werke. Zweiter Band: Buch des Kampfes, München 1921, S. 176.