Empor schlug die Welle

1903

Empor schlug die Welle

Empor schlug die Welle.
Die Wogen der Wahrheit
Erfassen die Menschen,
Erobern das Reich.

Sie sind aus den Tiefen,
Des Lebens gestiegen
Sie brausen zusammen,
Gewaltig gestaut.

Es wanken die Sessel
Der sichern Gesellschaft,
Die Schläfer erwachen,
Die Müden stehen auf.

Nun gilt es zu bauen
Das große Gebäude,
Nun gilt es zu bilden
Das herrliche Werk.

So schlagt mit dem Hammer,
So haut mit dem Meißel,
Mit Kühnheit besonnen
Erichtet den Bau!

Daß weit allem Volke
Die Wohnstatt sich wölbe,
Auf freierem Grunde
Gerechter gefügt…

Seid eins in der Liebe,
Zu schlichten den Hader,
Durch Zwietracht untrennbar
Seid einig – und schafft!

Gesetze zu schmieden,
Sei Weisheit beschieden,
Doch Schönheit durschimmre
Die Säulen der Kraft!

1921

Die Welle

Empor schlug die Welle,
Die Wogen der Wahrheit
Erfassen die Menschen,
Erobern das Reich.

Sie sind aus den Tiefen,
Des Lebens gestiegen
Sie brausen zusammen,
Gewaltig gestaut.

Es wanken die Sessel,
Es brechen die Säulen,
Die Schläfer erwachen,
Die Müden stehen auf.

Nun gilt es zu bauen
Ein starkes Gebäude,
Nun gilt es zu bilden
Ein stattliches Werk.

So schlagt mit dem Hammer,
So baut mit dem Meißel,
Mit Kühnheit besonnen
Erichtet den Bau!

Daß weit allem Volke
Die Wohnstatt sich wölbe,
Auf freierem Grunde
Gerechter erhöht.

Seid eins in der Liebe,
Zu schlichten den Hader,
Durch Zwietracht untrennbar
Seid einig – und schafft!

Gesetze zu schmieden,
Sei Weisheit beschieden,
Doch Schönheit durschimmre
Die Säulen der Kraft!

Arbeiter-Zeitung, 15. Jahrg., 15. September 1903, Nr. 253, S. 5. Online
Gesammelte Werke. Zweiter Band: Buch des Kampfes, München 1921, S. 274-275.

Informationen zum Parteitag unter Dresdner Parteitag 1903 auf der Website Das Rote Dresden.