Heilige Ehe…

Heilige Ehe…

Heilige Ehe,
Wie ich sie verstehe:
Ein Bund von Zweien,
Sich zu befreien
ln Liebeslanden
Von Selbstsuchtsbanden.
Aufzulösen
Das Joch des Bösen,
Des Eng-Gemeinen,
Im Strebend-Reinen.
Im Kusse geben
Sein tiefstes Leben,
Im Lustgeniessen
Sein Selbst erschliessen
Und ganz vermählen
Die wahren Seelen.
Nicht Pflichtgewöhnung
Starrer Pakte,
Nein, Lebenskrönung
Im Liebestakte.
Nicht herrschen wollen
Noch unterthanen,
Nein, Schätzung zollen
Und Freiheit bahnen:
Was als sein höchstes;
Der Menscb erkannt,
Erfüllt als nächstes
Und Hand in Hand.

Aus meinen Gedichten, Zürich, Leipzig, Berlin 1902, S. 70-71. Online