Tanz und Glanz…

1888

Tanz und Glanz…

Tanz und Glanz,
Fastnachtsschanz,
Fliehen im Schwarme,
Blühende Arme,
Schimmernde Nacken,
Flackernder Scherz,
Will’s dich nicht packen,
Zögerndes Herz,
Carnevalwärts?
Ach, am Pfeiler stolz gelehnt,
Lächelnd schaust du nieder,
Ob dein Sinn sich sacht auch sehnt
Nach dem straffsten Mieder.
Tummeln in der Flüchtigkeit —
Willst du’s niemals wagen?
Immer nur das fremde Kleid
Selt’ner Seelen tragen?
Fürchtest wohl, der Flitter bleibt
Haften am Gewande?
Tolles, das die Menschheit treibt,
Wo sie lebt und liebt und leibt
Auf dem ird’schen Lande,
Bringt nicht Schuld noch Schande.

1888

Tanz und Glanz…

Tanz und Glanz,
Fastnachtsschanz,
Fliehen im Schwarme,
Blühende Arme,
Schimmernde Nacken,
Flackernder Scherz,
Will’s dich nicht packen,
Zögerndes Herz,
Carnevalwärts?
Ach, am Pfeiler stolz gelehnt,
Lächelnd schaust du nieder,
Ob dein Sinn sich sacht auch sehnt
Nach dem straffsten Mieder.
Tummeln in der Flüchtigkeit —
Willst du’s niemals wagen?
Immer nur das fremde Kleid
Selt’ner Seelen tragen?
Fürchtest wohl, der Flitter bleibt
Haften am Gewande?
Tolles, was die Menschheit treibt,
Wo sie lebt und liebt und leibt
Auf dem ird’schen Lande,
Bringt nicht Schuld noch Schande.

Amselrufe. Neue Strophen, Zürich 1888. S. 15-16. Online
Amselrufe, Zürich 1890, S. 15-16. Online