Träumer

Ein Träumer fährt im Alpenland
Ueber den tiefen See,
Dem ruht ein Füllhorn in der Hand,
Draus triefen über Bord und Rand
Blüten voll Wonn’ und Weh.

Bald quellen Rosen in die Flut
So duftend und so rot,
Dann schäumen die Wellen auf wie Blut,
Schneefirnen überhaucht die Glut,
Und purpurn brennt das Boot.

Wenn eine Schattenblume bleich
Dem Füllhorn müd entschwebt,
Wehen die Wolken dunkelweich,
Und durch der Wehmut dämmernd Reich
Eine leise Klage bebt.

Zwischenspiel, Zürich 1894, S. 133. Online