"Neuland"

Karl Henckell veröffentlicht in seinem Verlag eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel Neuland, Ausgewählte Gedichte II mit Titelrahmen und Schlusskranz von Fidus.

Der Sammlung ist das folgende mit "Charlottenburg 1903" datierte Gedicht ohne Titel und Paginierung vorangestellt.

Dies Buch singt nicht von Rosengärten,
von süßer Liebe Lust und Pein,
fliehst du die Kanten und die Härten,
so laß' es ungelesen sein!
Dies Buch singt nicht von Rosengärten.

Es singt auch nicht vom Sphärenreigen,
dem stillen Stern der Ewigkeit,
suchst du das Spiel von Himmelsgeigen,
so leg' es ungehört beiseit!
Es singt auch nicht vom Sphärenreigen.

Und doch! Trotz Zeitenzorn und -Fluche,
trotz Sturm und Blitz auf Dunst und Brauch
weht segnend auch in diesem Buche
ein schöpferischer Liebeshauch.
Trotz herbem Zeitenzorn und -Fluche.

Willst tiefer lauschen du den Tönen,
durch Eisenhämmern dringt dein Ohr
auch hier zum Sonnenpsalm des Schönen,
zum Lichtchoral der Welt empor.
Willst tiefer lauschen du den Tönen...

Es ist auch das erste Gedicht der Sammlung Gesammelte Werke. Zweiter Band: Buch des Kampfes, München 1921 (S. 1).