Kremation Karl Henckell

Karl Henckell wird in Konstanz kremiert.

Über die Trauerfeier berichtet die Arbeiter-Zeitung:

In der Halle des Krematoriums zu Konstanz am Bodensee war am Freitagnachmittag eine eindrucksvolle Trauerfeier. Wenn die Zahl der Teilnehmer der Bedeutung des Toten entsprochen hätte, wäre der weite Rundbau des Hauses viel zu klein gewesen. Aber der da Abschied nahm, haßte die dekorativen Aeußerlichkeiten des Daseins, er wollte auch ohne Zeremonien bestattet werden und außer seiner engsten Familie nur ein paar Freunde um sich wissen. So waren denn nebst des Dichters Gattin nur seine Verwandten, von Henckells Freunden nur Hedwig Forstreuter, Fritz Droop, Norbert Jacques, Andersen-Nexö und Frau, K. F. Schmidt, Johannes Timm und Tomarkin (Bern) zugegen.

Und es wird ausgeführt:

Die freien schweizerischen Berge grüßen im Strahl der Sonne über den See, den Karl Henckell zwei Menschenälter lang geliebt und besungen hat. Es ist ein stiller, hehrer Abschiedsgruß und ein Symbol zugleich, das Bindung heißt. Wie in Meersburg das Grab der Annette v. Droste das Land der Alemannen mit der niedersächsischen Erde verbindet, so steht von nun an die Urne Karl Henckells wie ein unvergeßliches Denk- und Dankmal an der Brücke zwischen Deutschland und der Schweiz, die er als seine zweite Heimat liebte.

Arbeiter-Zeitung, 42. Jahrg., 10. August 1929, Nr. 219, S. 7. Online

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